„Sind wir jetzt also Frugalisten?“, fragte sie und er schaute sie fragend an

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Vor ein paar Tagen bin ich auf einen Begriff gestoßen, den ich vorher noch nie gehört hatte: Frugalismus. Was soll das denn sein? Ich gab es einfach mal ganz salopp in eine Suchmaschine ein und wurde auf brigitte.de fündig — ja, das war eine der ersten Seiten, die mir die Suchmaschine ausspuckte (ich werde nicht von Brigitte.de gesponsert). Den kompletten Link findet ihr hier. Duden kennt den Begriff Frugalismus gar nicht, aber frugal bzw. Frugalität werden als „Bescheidenheit, Einfachheit“ definiert, insbesondere wenn es um Essen und Trinken geht (Stand: 02.01.2020).

Was ist bitte Frugalismus? Im Café sitzen so wie hier ist nicht wirklich frugal.

Der Frugalismus beschränkt sich nicht auf das Essen und Trinken, sondern bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Frugalisten leben bescheiden, sparsam und minimalistisch. Wichtig ist ihnen vor allem eine finanzielle Unabhängigkeit. Was mir brigitte.de zusätzlich verriet war der Name eines Frugalisten, der mit vierzig Jahren in den Ruhestand gehen möchte und von seinem gesparten Vermögen danach leben will.

Ich dachte mir dazu nur: Krass! Das könnte ich nie!

Dennoch begann ich darüber nachzudenken. Ich bin ja grundsätzlich ein Fan davon minimalistisch zu leben, schon allein um Ressourcen zu schonen. Das gelingt mir ja nur bedingt, aber trotzdem versuche ich mich stets zu verbessern. In den letzten Jahren lebe ich schon viel minimalistischer und gebe für viele Dinge weniger Geld aus.

Wie es der Zufall oder das Schicksal so möchte, ist unsere finanzielle Situation derzeit nicht so gut: Mieterhöhung, der Arbeitsvertrag meines Mannes läuft aus, ein zweites Kind, … Wir beschweren uns nicht; mein Mann wird dafür zum Beispiel mehr Zeit für uns haben; aber wir müssen unseren Lebensstandard/Lebensstil herunter schrauben, müssen durchrechnen, an welchen Stellen wir sparen können, ohne dass wir irgendetwas einbüßen, was der Umwelt schadet. Von Fair Fashion auf Fast Fashion umzusteigen ist beispielsweise keine Option. Lieber weniger oder gebraucht kaufen.

Und so kam es dazu, dass ich mit meinem Mann bei einem Spaziergang über unsere Sparpläne sprachen. Mein Mann sagte schließlich auch noch, dass er anschließend, wenn es uns finanziell mal wieder besser geht, dass er den Lebensstil nicht wieder unnötig aufblähen möchte. „Sind wir jetzt also Frugalisten?“, fragte ich ihn. Er schaute mich fragend an. „Was soll das sein?“ (Wieder so ein Ismus, dachte er dabei. Was ein Quatsch!) Ich erklärte ihm schließlich kurz, wie sich der Begriff definiert. „Na, wenn das so ist“, antwortete mein Mann schließlich, „dann ja. Dann möchte ich zumindest bis zu einem gewissen Grad einer sein.“

Im Moment sind wir weit von einem frugalistischen oder einfach nur minimalistischen Lebensstil entfernt. Ich habe nicht einmal einen Plan, wo genau ich dort am Ende stehen möchte. Mit vierzig Jahren in den Ruhestand möchten wir beide nicht. Mir persönlich tut es gut eine Arbeit zu haben. Ich merke immer wieder, dass es mir extrem schwer fällt in meinen Mama-Alltag eine Struktur zu bringen, die ich jedoch dringend brauche, damit ich nicht im Chaos versinke (das betrifft nicht nur den Haushalt, sondern auch meinen Kopf). Als ich noch studierte und in der Sprachschule arbeitete fiel mir das deutlich leichter. Was wir uns beide langfristig vorstellen könnten, wäre in Teilzeit zu arbeiten. Aber auch hier steht noch gar nichts fest. So viel zum Thema Arbeit.

Unser allgemeiner Lebensstil ist definitiv ausbaufähig hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit, seines Minimalismus und auch des Frugalismus. Ich kaufe zum Beispiel viel zu oft Coffee/Tea to go (und das dann und wann auch noch im unnachhaltigen beschichteten Pappbecher) um mich beim Spazierengehen aufzuwärmen, statt mir einfach Tee in einer Thermosflasche mitzunehmen; und das ist nur eine Sache, die absolut simpel zu ändern wäre. Allerdings sehen wir nun unsere „schlechtere“ finanzielle Situation als Chance, einige teure, nicht nachhaltige Gewohnheiten zu durchbrechen.

Ein gut strukturierter Essensplan spart einiges an Geld, ist aber für mich eine wahre Herausforderung

Wir werden sicherlich niemals „echte“ Frugalisten oder Minimalisten sein. Wir setzen uns auch keine hohen Ziele. Mir persönlich ist mehr Nachhaltigkeit wichtig und ich merke, dass ich im Endeffekt weniger Geld ausgebe, seitdem ich versuche nachhaltiger und minimalistischer zu leben.

Ich werde versuchen euch auf meinem Blog auf diesem Weg ein bisschen mitzunehmen. Ich habe ja noch meine Checkliste in puncto Nachhaltigkeit, die ich versuche abzuarbeiten.

Nun aber möchte ich euch einen kleinen Einblick in unseren Sparplan geben. Möglicherweise wird er immer wieder erweitert oder manches wird niemals oder nur sehr schleppend umgesetzt oder es bleibt nicht für immer so. Wir werden sehen!

  • Unnötige Abonnements kündigen: Wir haben seit Jahren eine Wochenzeitung abonniert, die wir dann oft doch nicht lesen. Mein Mann nicht, weil er keine Zeit hat, ich, weil ich nicht intellektuell genug dafür bin und mich nur für einzelne Artikel begeistern kann. Wenn wir doch mal etwas lesen wollen, können wir sie auch in der Bücherei lesen. Und in vielen Cafés liegt sie auch aus.
  • Das was ich immer wieder bei meiner Nachhaltigkeitscheckliste an mir selbst kritisiere: kein Coffee to go, keine Getränke kaufen, sondern selbst mitnehmen. Spart Geld und Verpackungen.
  • Das gleiche gilt auch für Mahlzeiten. Ich gehe noch viel zu oft essen. Selbst kochen, Madame!
  • Außerdem sind unsere Mahlzeiten immer noch schlecht geplant und wir werfen leider viel zu viel weg. Weniger Geld ist ein guter Anlass das zu ändern. Reste müssen wir auch besser verwerten.
  • Auch möchten wir auf Luxus-Produkte wie Schokolade oder Wein, Saft verzichten. Ich trinke fast nur Wasser, aber ab und an auch Limonade oder Ähnliches. Wirklich brauchen tue ich es nicht.
  • Dann ist es wichtig, dass wir besser Preise vergleichen. Wir haben das Glück so zu wohnen, dass eigentlich kein Supermarkt weit weg ist. So können wir eigentlich ganz gut verschiedene Lebensmittel an verschiedenen Orten kaufen.
  • Darüber hinaus möchte ich unsere finanzielle Situation als Anreiz nutzen mehr Kosmetik, Putzmittel und Waschmittel selbst herzustellen. Wir haben das Buch „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ (https://amzn.to/3aTjzDM *) im Regal stehen und machen viel zu wenig daraus. Natürlich wird erst einmal vorhandenes aufgebraucht.
  • Generell bin ich ja ein großer Second Hand Fan. Es beschränkt sich bei mir aber noch immer ziemlich auf Kleidung. Ich möchte noch mehr schauen, ob ich Dinge gebraucht bekomme, bevor ich etwas neu kaufe.
  • Das nächste bezieht sich auf meine Mobilität. Ich gehe viel zu Fuß, fahre aber auch Bus und das oft nur aus Faulheit. Auch hierauf möchte ich weitestgehend verzichten und mehr zu Fuß gehen.
  • Was Kleidung für mich angeht: ich bin doch eine ziemliche Fashionista. Viele Käufe habe ich damit gerechtfertigt, dass ich ja Second Hand, Fair Fashion etc. gekauft habe. Aber offen gestanden brauche ich auch nicht mehr wirklich etwas Neues. Auch hier muss ich genauer darüber nachdenken, ob ich etwas wirklich brauche.

Wie ihr seht, ist das kein wirklich frugaler Lebensstil, sondern auch sehr viel simple Ratio. Wir werden wohl niemals Frugalisten sein. Zum Schluss hätte ich noch eine Frage: was haltet ihr von Payback? Wir waren die ganze Zeit skeptisch unsere Konsumdaten zu verkaufen. Spart man dabei wirklich etwas? Oder ist das ein Kommerztrick?

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